Start-Up gründen ist nicht schwer… Erster Teil

2018 wurden gemäss «Startups.ch» in der Schweiz 43’220 neue Firmen im Handelsregister eingetragen. Eine abstrakte Zahl. Doch wie verläuft eine effektive Gründung in der Schweiz? Wie lange dauert sie? Welche Schritte sind nötig? Wo wird man unterstützt? Wo steht man an? Hier meine persönliche Geschichte der «Ein-Personen-GmbH-Gründung» im Herbst/Winter 2018/2019. In zwei Teilen.

1. Geschäftsidee: viele Wochen vor Gründung
Die Geschäftsidee ist die Basis jedes Start-Up. Je nach Komplexität und Finanzbedarf braucht es einen ausformulierten Business Plan. Ein separates Kapitel für sich, mit potentiell riesigem Aufwand. Ich kürze ab: Will beraten, mein Netzwerk ist recht gross, wird schon irgendwie gehen. Die Positionierung mit den Themen Strategie, Innovation, Ökosysteme & Start-Up kommt auf die Website. Das muss reichen zum Start.

2. Rechtsform: 6 Wochen vor Gründung
Der erste materielle Entscheid steht an. Die Rechtsform. Diese definiert vieles was kommt. AG schliesse ich aus, brauche ich nicht, zu viel Aufwand und bindet zu viel Kapital. Also Einzelfirma oder GmbH. Ich entscheide mich für letztere, will Privates und Geschäftliches trennen. Der erste Entscheid ist gefällt!

3. Name: 5 Wochen vor Gründung
Als zweite konkrete Handlung bestimme ich den Namen. Die Firma. Ohne komme ich nicht weiter. Ein  sensibler Entscheid: Name ist Identität. Eine spätere Änderung ist schwierig. Also gut überlegen. Ich will beraten, die Beratungsleistung ist meine Arbeit: «Kneissler Consulting» ist geboren. Muss es nicht komplizierter machen als es ist. Zur Sicherheit noch Check im Markenregister. Kein Treffer. «Go for it»!

4. Website und Email: 5 bis 3 Wochen vor Gründung
Die handwerkliche Arbeit beginnt. Ich muss gefunden werden im Internet, muss kommunizieren können. URL reservieren, Email aufsetzen (eigene URL, kein «@bluewin.ch» oder so für Business!), Website bauen. Ich brauche einen Provider. Viel Auswahl, keine wirklichen Vergleichsportale. Entscheid für www.infomaniak.ch. Sieht seriös aus, gute Referenzkunden. Auswahl auch ein wenig zufällig. URL reserviert. www.kneissler.ch ist noch frei. Das Glück des seltenen Namens. Email funktioniert innert Minuten. Alles (inkl. WordPress für die Website) für etwa 150 Franken pro Jahr. Ein fairer Deal. Der Service stimmt.

Die Website baue ich selbst. WordPress lässt dies zu. Nach ersten Geh-Schwierigkeiten geht es ganz gut. Innert zweier Weekends entsteht die Seite. Hätte sie extern bauen lassen können, Kosten sind mir zu hoch, Inhalte hätte ich trotzdem liefern müssen.

5. Logo: 3 Wochen vor Gründung
Die Website sieht «nackt» aus. Es fehlt das Logo. Ehrgeiz, es selber zu designen. Es gibt sicher ein Tool. Bei www.logojoy.com werde ich fündig: Ich kann unzählige Vorschläge rechnen lassen, die Elemente kommen stückweit zusammen, das Logo entsteht. Familie entscheidet mit, Feinschliff, Logo ist fertig. 4-5 Stunden Aufwand. Kostenpunkt für den Download von druckbaren Files: 80 Dollar. Bezahle ich gerne.

6. Gründung: 4 bis 0 Wochen vor Gründung
Die Vorarbeiten sind gemacht. Jetzt wird es ernst. Die juristische Gründung. Wie geht das? Schnell wird klar: Es gibt «Paketangebote»: Gründungsservice plus Bankkonto zu relativ tiefen Kosten. Mache ich. Ich wähle www.ifj.ch plus Postkonto (Disclaimer: ehemaliger Arbeitgeber von mir). 300 Franken für die Gründung inkl. Notar (ohne HR-Gebühren) und Kontoeröffnung. Done deal . Als Adresse wähle ich die Heimadresse – Büro habe ich noch keines. Gut zu erfahren: Spätere Adressänderung ohne Sitzwechsel ist im Handelsregister nur eine einfache Mutation – sprich: Solange das Büro in derselben Gemeinde ist, wird das relativ schmerzfrei.

Bin begeistert über den Gründungsservice: Hoch effizient, 2 Emails, 2 Telefone, 1 Schriftenwechsel für Unterschriften. Alles andere wird mir abgenommen. Kontoeröffnung klappt, Wermutstropfen sind die (vorher nicht kommunizierten) Kosten für das Kapitaleinzahlungskonto von etwa 150 Franken. Ich bezahle das Kapital ein. Die Gründung wird vollzogen. Das Handelsregister ist relativ teuer mit über 700 Franken Gebühren (kantonal unterschiedlich). Nichts zu machen. Die Gründung ist vollbracht! UID und HR-Eintrag sind vorhanden. Bin positiv überrascht, ging alles flott. Dauerte etwa 4 Wochen, lag auch an meinen Reaktionszeiten. In 2 Wochen wäre es wohl auch gegangen.

7. IT: 1 Woche nach Gründung
Damit ich operativ arbeiten kann, brauche ich eine «IT». Handy, Laptop, Cloud und Windows/Office sind als Parameter gesetzt. Wie vorgehen? Laptop übernehme ich aus dem Privaten. Handy kaufe ich dem bisherigen Arbeitgeber ab. Handy-Abo von Sunrise (Sub-Brand www.yallo.ch), Superpreis (Aktion) für unlimitierte Daten und Voice.

Für die «Kern-IT» (Software, Datenhaltung) reagiert ein grosser Provider nicht auf meine Onlinetermin-Buchung. Dann halt nicht. Viele Angebote im Markt, alle relativ teuer. Brauche all die Zusatzservices nicht. Letztlich lizenziere ich direkt bei www.microsoft.ch. Eine gute Wahl. Programme, Cloud und professioneller Mailserver Exchange für weniger als 200 Franken pro Jahr. Da ich einigermassen IT-affin bin, schaffe ich die Installation allein. Die Administratoren-Suite überfordert mich allerdings – bin kein 1’000 Personen Unternehmen! Mit Trial & Error, nach 2-3 nerv-aufreibenden Abenden, geht es irgendwie. Email läuft nun direkt über Exchange auf Laptop und Handy, Daten sind sicher auf OneDrive inkl. Backup, Office ist installiert, Windows auf Business-Version angehoben. Solider Business-Standard. Ich bin operativ!

Jetzt kann ich beginnen, bin fertig, alles geregelt! Oder doch nicht? Zweiter Teil folgt am Dienstag 22.1.2019.

2 Gedanken zu „Start-Up gründen ist nicht schwer… Erster Teil

  1. Vielen Dank für den positiven Beitrag. Meine große Frage: Was ist eigentlich ein Start-Up? Wenn ich ein Unternehmen gründen möchte, aber es ist kein IT-Unternehmen, heißt es auch ein Start-Up? Ich möchte ein Unternehmen gründen und brauche unbedingt eine Beratung.

  2. Interessant, dass sie empfehlen das Logo bereits vor der Gründung festzulegen. Eigentlich dachte ich das müsste dann entsprechend von der Firma per Geschäftskonto werden. Aber vielleicht kann man da eine Ausnahme machen?

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